Trinkwasserqualität steigern
Sauberes Trinkwasser hat oberste Priorität. Nach den Problemen der vergangenen Monate setzen wir uns für besseren Quellschutz ein, ein erweitertes Wasserschutzgebiet und eine sichere, zukunftsfähige Wasserversorgung.
Vorsorge statt Reparieren
"In Teilen von Schnaitsee müssen 2900 Bürger seit Mittwoch (12. November) (2025) das Trinkwasser abkochen. Denn in einem Hochbehälter wurden coliforme Keime festgestellt." chiemgau24


Wasserversorgung Gemeinde Schnaitsee
Für die Gemeinde Schnaitsee gibt es insgesammt 3 Brunnenanlagen zur Wassergewinnung.
Poschen I
Verbrauch Posch. I&II
2025 - 335.908 m3
2024 - 381.310 m3
Wasserverlust Posch. I & II
2025 - 134.226 m3
2024 - 180.780 m3
- Bohrtiefe 47m
in Poschen, Gemeinde Schnaitsee
Zuständigkeit: Zweckverband zur Wasserversorgung der Gruppe Harpfing
Belieferung: ot. Harpfing, ot, Waldhausen, u.w.
Poschen II
Verbrauch Posch. I&II
2025 - 335.908 m3
2024 - 381.310 m3
Wasserverlust Posch. I & II
2025 - 134.226 m3
2024 - 180.780 m3
- Bohrtiefe 48m
in Poschen, Gemeinde Schnaitsee
Zuständigkeit: Zweckverband zur Wasserversorgung der Gruppe Harpfing
Belieferung: ot. Harpfing, ot, Waldhausen, u.w.
Brunnen III
Verbrauch
2025 - 183.919 m3
2024 - 181.170 m3
Wasserverlust
2025 - 55.277 m3
2024 - 41.370 m3
- Bohrtiefe 26m
im Eggertinher Holz, Gemeinde Schnaitsee Flur 3706
Zuständigkeit: Gemeinde Schnaitsee. Belieferung ot. Schnaitsee, Kreuzstraße, Stangern, Obernhof, Hermanstädten, u.w.
Wasserzukauf 2025 - 912,00 m3
Wasserabgabe 2025 - 401 m3
Details zum Brunnen III
Schutzzone I
Durch die Ausweisung der Schutzzone I soll der Schutz der unmittelbaren Umgebung der Fassungsanlage vor Verunreinigungen u.s. Beeinträchtigungen gewährleistet werden. Diese Schutzzone gilt allseits um den Brunnen.
mind. 10m
Schutzzone II
Die engere Schutzzone soll einen Schutz vor Verunreinigungen und Beeinträchtigungen gewährleisten, die von verschiedenen menschlichen Tätigkeiten und Einrichtungen ausgehen. Man spricht von der sog. 50-Tage-Linie. für die Ausweisung dieser Schutzzone ist neben hydraulischen Parametern die Ausbildung der Deckschicht und die Entnahmemenge maßgebend.
117m - 303m
Schutzzone III
Die Schutzzone III soll einen Schutz vor weitreichenden Beeinträchtigungen, insbesondere vor nicht oder schwer abbaubaren, chemischen und radioaktiven Verunreinigungen gewährlisten. Um einen ausreichenden Schutz des Brunnens III der gemeinde Scnaitsee zu gewährleisten, ist eine Schutzzone III von 58,25ha derzeit Stand.
mind. 400m
Trinkwasser & Wasserversorgung – Verantwortung für kommende Generationen
Die Sicherung der Trinkwasserversorgung ist eines der zentralen Zukunftsthemen für Schnaitsee. Trink- und Abwasser müssen vollständig über Gebühren finanziert werden, Gewinne darf die Gemeinde dabei nicht erzielen. Steigende Kosten sind daher kein politischer Spielraum, sondern Ausdruck realer technischer und struktureller Herausforderungen.
Schnaitsee verfügt flächenbedingt über ein sehr weit verzweigtes Trinkwassernetz. Lange Leitungen bedeuten hohe Unterhaltskosten und erhöhen das Risiko von Wasserverlusten. Nach aktuellem Stand gibt es erhebliche Leckagen im Netz. Ihre Ortung ist technisch aufwendig und kostenintensiv, da die Leitungen – soweit möglich – mit Spezialkameras untersucht werden müssen. Dass notwendige Maßnahmen in der Vergangenheit teilweise aufgeschoben wurden, macht sich heute deutlich bemerkbar.
Hinzu kommt, dass die Hochbehälter in die Jahre gekommen sind und saniert oder erneuert werden müssen. Auch die Kläranlage ist technisch überaltert und verursacht durch wiederkehrende Störungen zusätzliche Wartungs- und Reparaturkosten. Steigende Personal- und Betriebskosten verstärken diese Entwicklung.
Bei den Brunnen Poschen I (38 mg/l) und Poschen II (39 mg/l) liegen die gemessenen Nitratwerte über dem vorsorglichen Schwellenwert von 37,5 mg/l. Dieser Wert liegt zwar noch unter dem gesetzlichen Grenzwert, zeigt jedoch, dass die Belastung bereits erhöht ist und seit einigen Jahren kontinuierlich steigt. Aus Sicht der UI Umwelt Initiative Schnaitsee ist das ein klares Signal, frühzeitig gegenzusteuern – durch konsequenten Quell- und Wasserschutz, um die Trinkwasserqualität langfristig zu sichern und weitere Belastungen zu vermeiden.
Die UI Umwelt Initiative Schnaitsee steht deshalb für einen klaren, verantwortungsvollen Kurs:
Wir fordern eine transparente Bestandsaufnahme der gesamten Wasser- und Abwasserinfrastruktur, eine klare Priorisierung der dringendsten Maßnahmen und einen realistischen, mehrjährigen Investitionsplan. Ebenso wichtig ist der langfristige Schutz unserer Quellen – durch die Ausweitung des Wasserschutzgebiets & strengere Kontrollen (Verschmutzungsvorfall) und klare Vorsorgekonzepte. mehr... Ziel ist eine sichere, stabile und bezahlbare Wasserversorgung für kommende Generationen.
Höhere Ausgleichszahlungen für Landwirte stärken den Trinkwasserschutz
Der Zweckverband Harpfinger Gruppe (Brunnen Poschen I & II) hat die Haushaltssatzung für 2025 beschlossen und zentrale Weichen für Investitionen und Wasserversorgung gestellt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der weiteren Stärkung der freiwilligen Ausgleichsleistungen für eine grundwasserschonende Landwirtschaft in den Wasserschutzgebieten.
Mit diesen Maßnahmen stärkt der Zweckverband gezielt den Trinkwasserschutz und setzt gleichzeitig Anreize für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Flächen.
Zusätzlich zu den Ausgleichszahlungen wird die befristete Übernahme entgangener KULAP-Förderungen mit maximal 10.000 € jährlich fortgeführt.
(Schnaitseer Gem.nachr. Amtl. Bekanntmachung Ausgabe 05/25)
140€/ha
Grundbetrag
Vor 05/25 lag dieser bei 70 €/ha.
705€/ha
Schutzzone II
Für Einzelvereinbarungen („PSM- und Nitratreduktion“) erhöhte sich die Zahlung von 665 €/ha.
600€/ha
Schutzzone III
Für Einzelvereinbarungen („PSM- und Nitratreduktion“) erhöht sich die Zahlung von 512 €/ha
*Grenzwerte für Nitrat
Empfohlener Vorsorgewert
Dieser Wert wird häufig als empfohlener Richtwert für die Zubereitung von Säuglingsnahrung genannt (nicht als gesetzlicher Trinkwassergrenzwert, sondern als Vorsorgeempfehlung) mehr...
10 mg/l
Trend-/Schwellenwert
Wenn dieser Wert erreicht oder überschritten wird und ein steigender Trend besteht, müssen Maßnahmen zur Reduzierung der Belastung bzw. zur Trendumkehr eingeleitet werden. Dieser Wert dient der Bewertung von Grundwasservorkommen und zur frühzeitigen Prävention. mehr...
37,5 mg/l
Gesetzlicher Grenzwert
Gesetzlicher Grenzwert für Trinkwasser (§ Trinkwasserverordnung) und auch als Schwellenwert im Grundwasser. Dieser darf nicht überschritten werden (außer in Ausnahmefällen mit behördlicher Ausnahmegenehmigung). mehr...
50 mg/l
Verbundleitungen
Sicherheit für die Trinkwasserversorgung
Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich, wie die Leitungsverbindungen zu den Nachbargemeinden funktionieren und ob dabei Trinkwasser aus verschiedenen Gemeinden vermischt wird.
Alle Trinkwasserbrunnen in Schnaitsee sind über sogenannte Verbund- oder Notverbundleitungen mit benachbarten Wasserversorgern, etwa aus Babensham oder Obing, verbunden. Diese Leitungen dienen der Absicherung der Trinkwasserversorgung in Notfällen, zum Beispiel bei einem größeren Rohrbruch oder einer Verunreinigung im Leitungsnetz. In solchen Situationen können sich die Gemeinden gegenseitig mit Trinkwasser unterstützen. Solche Verbundleitungen sind gesetzlich vorgeschrieben und Teil eines Notfallplans (§ 50 der Trinkwasserverordnung), den jeder Wasserversorger vorhalten muss. Sie erhöhen die Versorgungssicherheit und sorgen dafür, dass auch in Ausnahmesituationen zuverlässig Trinkwasser zur Verfügung steht.
Nitrat im Trinkwasser
Warum es für die Gesundheit relevant ist
Nitrat (NO₃⁻) gelangt vor allem über Düngung und Gülle in Boden und Grundwasser. Im Trinkwasser ist Nitrat nicht „sofort giftig“ – kritisch wird es, weil Nitrat im Körper (und schon im Magen-Darm-Trakt) teilweise zu Nitrit umgewandelt werden kann. Besonders empfindlich sind Säuglinge (ca. 0–6 Monate). Durch ihr weniger saures Magenmilieu kann es leichter zur Nitritbildung kommen. Nitrit kann den Blutfarbstoff Hämoglobin zu Methämoglobin umwandeln – dieser kann keinen Sauerstoff mehr transportieren. Das kann zu Sauerstoffmangel führen (bekannt als „Blue-Baby-Syndrom“ / Säuglingszyanose). mehr...
Neben diesem akuten Säuglings-Risiko diskutiert die Fachliteratur bei längerfristiger Belastung u. a. mögliche Zusammenhänge mit Schilddrüsen-Effekten; die WHO bewertet den Grenzwert ebenfalls als schützend und verweist auf die empfindlichste Gruppe (Flaschenkinder). mehr...
- IARC (WHO-Krebsagentur) stuft „ingestiertes Nitrat/Nitrit unter Bedingungen, die endogene Nitrosierung ermöglichen“ als wahrscheinlich krebserregend (Group 2A) ein. mehr...
- Register-/Kohortenanalysen (sehr große Populationen, lange Zeiträume) berichten teils erhöhte Darmkrebsraten schon bei relativ niedrigen Nitratkonzentrationen; Effekte scheinen u. a. von „Nitrosations-fördernden“ Faktoren (z. B. Rauchen/hoher roter Fleischkonsum) beeinflusst. mehr...
Positive Entwicklung bei den Nitratwerten am Brunnen III
Die Entwicklung der Nitratwerte am Brunnen III ist insgesamt positiv zu bewerten. Während die Werte in den früheren Jahren noch überwiegend bei rund 14 bis 15 mg/l lagen, zeigt sich in den letzten Jahren ein klarer Rückgang. Im Jahr 2024 wurde mit etwa 11 mg/l ein niedriger Nitratwert erreicht, der 2025 nun auf den bislang niedrigste Wert von 10mg/l gesunken ist.
Das ist ein erfreuliches Signal für die Grundwasserqualität in Schnaitsee. Die Tendenz zeigt, dass sich Schutzmaßnahmen und ein bewusster Umgang mit dem Wasser langfristig auszahlen können. mehr...
Nebensatz: Positive Bilanz der Strahlenwerte (Tageswert 0,105 µSv/h 06.04.2026) bei Poschen mehr...
Grundwasserstand
Die Messstelle Schnaitsee 588 weist über die Jahrzehnte zwar natürliche Schwankungen auf, in den letzten Jahren liegt das Niveau aber häufiger unter dem langjährigen Mittel. Das spricht dafür, dass die Grundwassersituation zunehmend unter Druck steht. mehr...
Kurzfristige Erholungen ändern nichts daran, dass ein sorgsamer Umgang mit Wasser und ein besserer Schutz der Grundwasserressourcen immer wichtiger werden.
Über die Jahrzehnte gibt es starke natürliche Schwankungen, aber seit etwa den 2010er Jahren treten vermehrt tiefere Ausschläge auf. Ganz am rechten Rand steigt die Kurve zwar kurzfristig stark an, fällt dann aber wieder ab. Das sieht eher nach einer kurzfristigen Erholung durch Niederschläge als nach einer stabilen Entspannung aus. mehr...
Trinkwasser schützen, bevor es belastet wird
Viele Gemeinden setzen heute nicht erst bei der Aufbereitung an, sondern direkt beim Schutz des Grundwassers. München gilt dabei als bekanntes Beispiel mehr...: Die Stadtwerke fördern in den Gewinnungsgebieten seit den 1990ern gezielt ökologische Landwirtschaft, z. B. durch:
- Umstellung auf Bio-Betriebe
- Verzicht auf Pestizide und Kunstdünger
- langfristige Kooperationen mit Landwirten
Ziel ist es, Verunreinigungen gar nicht erst ins Grundwasser gelangen zu lassen, damit das Trinkwasser natürlich sauber bleibt und nur wenig aufbereitet werden muss. Auch in Bayern wird dieser vorbeugende Weg ausdrücklich unterstützt mehr...: Das Umweltministerium empfiehlt freiwillige Kooperationen zwischen Wasserversorgern und Landwirtschaft, davon gibt es im Freistaat bereits rund 200 verschiedene Formen. mehr...
Andere Städte wie Augsburg zeigen ebenfalls, dass konsequenter Schutz der Wassereinzugsgebiete, regelmäßige Kontrolle und gemeinsames Handeln vor Ort entscheidend sind, um dauerhaft hochwertiges Trinkwasser zu sichern. mehr...
Vorbeugender Trinkwasserschutz ist langfristig meist günstiger, nachhaltiger und sinnvoller als spätere technische Nachrüstung.




